Smart Mobility

Carry

Design, Story & und Gestaltung

Beim Abschlußprojekt meines Studiums haben wir uns mit dem Thema

Smart Mobility

auseinandergesetzt. In Kleingruppen versetzten wir uns in die Lage aller Verkehrsteilnehmer und entwarfen mit dem Design Thinking Verfahren ein Produkt, das den Bedürfnissen der Bürger der Stadt Potsdam gerecht wird.


Zu finden ist hier die Abschlußpräsentation in Form einer Geschichte.

Wir befinden uns im Jahr 2023. Es ist der 8. März, 15:30 Uhr. Hannah kommt in Potsdam mit dem Zug an. Sie wird am Bahnhof bereits freudig von ihrer guten Freundin Kati erwartet, mit der sie heute zusammen ein Theaterstück besuchen möchte.



Kati:

„Da bist du ja endlich! Ist das schön dich mal wieder zu sehen.“



Hannah:

„Ich freu mich auch riesig! Jetzt schnell, wir kommen sonst noch zu spät. Nehmen wir ne Carry? Ich würds echt gern mal ausprobieren.“



Kati:

„Klar! Los komm!“

Wie (demnächst) an vielen Bahnhöfen und Flughäfen in ganz Deutschland gibt es vor dem Potsdamer Bahnhof sogenannte CarryBays. Diese sind Sammelstationen für Carrys, welche man sich wie heutige Taxistationen vorstellen kann. Zu solch einer Station begeben sich Hannah und ihre Freundin umgehend und steigen in eine freie Carry.

Während Hannah ihren Koffer neben sich abstellt verbindet sich Katis Mobilgerät automatisch mit dem Fahrzeug und loggt sie ein. Die Innenlampen leuchten auf und es meldet sich eine freundliche Stimme zu Wort:



„Schön dich zu sehen Kati. Wohin soll die Fahrt gehen?“



„Zum Theater in die Schiffbauergasse, bitte“

, antwortet Kati.



„Die Fahrt dauert ca. 11 min. und kostet dich 4,54 €“

Route, Zeit und Kosten werden auf dem internen Bildschirm in der Armatur angezeigt. Die beiden fahren los.

Hannah fragt Kati, wie sich die Kosten genau zusammensetzen.

Kati antwortet:

„Über ein System, welches es einem ermöglicht Geld zu sparen, wenn man bei Fahrtantritt angibt, dass man seine Fahrt teilen möchte.“



„Wow, das ist ja cool“

, antwortete Hannah.

„Aber dann hätten wir das doch auch jetzt schon machen können, oder nicht?“



„Ja klar!“

,antwortete Kati.

„Aber ich wollte noch ein bisschen Zeit mit dir alleine verbringen. Wir haben uns ja schon echt lange nicht mehr gesehen und es gibt ja viel zu erzählen. Wenn wir uns nach dem Theater auf den Heimweg machen, können wir unsere Fahrt dann teilen.“



Während der Fahrt kommen die beiden auf Katis Sohn zu sprechen.



„Echt super, dass das mit dem Besuch jetzt endlich mal geklappt hat. Aber erzähl: Wie gehts dir? Wie gehts deiner kleinen Luca?“



„Der gehts soweit ganz gut.“

Kati öffnet per Sprachsteuerung die Foto Applikation von Carry und zeigt ihr die Fotos vom letzten Zooausflug.



„Schau mal, da steht sie gerade am Pinguinbecken.“



„Boahr ist die schon wieder groß geworden. Die hat meinen kleinen Clemens ja bald ein, wenn sie so weitermacht.“

Nach exakt 11 Minuten und 18 Sekunden erreichen sie gemeinsam ihr Ziel: das Theater. Ohne lästige Parkplatzsuche können sie direkt vor der Tür aussteigen.

„Einen schönen Abend wünsche ich euch“

, sagt die Carry noch und fährt daraufhin direkt weiter zu den nächsten Fahrgästen.

Nachdem das Stück vorbei ist wollen die 350 Besucher des Theaters nach Hause. Viele von Ihnen wollen eine Carry nutzen um nach Hause zu fahren, genau wie Hannah und Kati.

Kati öffnet die CarryApp

Sie gibt beim Bestellvorgang an, dass sie zwei Sitzplätze benötigt und die Fahrt teilen will.

Sofort wird Kati benachrichtigt, dass ein Paar in der Nähe fast genau den gleichen Weg nach Hause hat.

Sie bestätigt die Fahrt. Daraufhin bekommt sie eine Farbe sowie eine Bestellnummer zugewiesen damit sie Ihre Carry nach Hause auch nicht verfehlen können. Sie haben Glück. Sie werden als eine der Ersten eingesammelt.

Ihre Mitfahrer, das Pärchen Peter und Marie, sitzen auch schon drin. Hannah bekommt eine kurze „Willkommen zurück“-Nachricht auf ihrem Smartgerät angezeigt und dann geht die Fahrt auch schon los. Laut Anzeige kommen die Beiden in 15 Minuten an Hannahs Wohnung an.

Die vier Fahrgäste kommen ins Gespräch und reden ein paar Minuten über das grandioses Theaterstück und die tollen Effekte, welche

Skizze des Sommers

von André Kubiczek so sehenswert gestalteten. Kurz danach wenden sie sich wieder einander zu.

„Jetzt hab ich aber einen Bärenhunger“

, sagt Hannah, die sich mit knurrendem Magen über den Bauch streichelt.



„Da hat ein ziemlich guter Italiener am anderen Ende der Stadt aufgemacht. Wir bestellen uns da einfach was. Wir haben ja schließlich gerade 2,15 € gespart.“



„Da kann man sich ruhig mal wieder was gönnen“

, erwidert Hannah lachend.



Kati öffnet die Foodora App und die Freundinnen suchen sich zusammen etwas zu Essen aus. Es soll Spaghetti Carbonara sin carne geben. An der vorletzten Kreuzung hält die Carry.

Kati sagt verwundert:

„Komisch, wir sind doch noch gar nicht da. Will uns die Carry jetzt etwa hier schon rauslass… !?“

und in diesem Augenblick rast ein Radfahrer ohne Licht am Carry vorbei.



„HUCH! Den hätte ich jetzt nicht kommen sehen“

, sagt Kati etwas erschrocken.

Als die beiden angekommen sind schnappen sie sich ihre Sachen, verabschieden sich von Peter und Marie und schauen noch einmal wann das Essen da ist.

„Komm, es ist doch ein schöner Abend, wir setzen uns auf die Treppe, schauen den Sternen beim Funkeln zu und du erzählst mir die Geschichte von Marko weiter.“



„Ach stimmt. Der will mit seinen 37 Jahren doch jetzt tatsächlich nochmal anfangen Schlagzeug zu spielen und eine Band gründen. Er hat sogar schon damit angefangen unseren Keller auszubauen und…“

Quasselnd auf der Vortreppe sitzend werden die beiden von Katis Mobilgerät unterbrochen. Die Liefercarry, die das Logo des Italieners auf dem Außenbildschirm anzeigt, biegt um die Ecke und hält direkt vor Ihnen. Mit einem in der App angezeigten Code öffnen Sie die Tür und entnehmen Ihre wohlriechenden Spaghetti-Boxen.



„Guten Appetit und eine schönen Abend wünscht: Ristorante Michelangelo.“

Ausgelassen und zufrieden lassen sie bei Musik und einem guten Glas 2015er Chardonnay Goldbach den Tag in Katis Wohnung ausklingen.

Animation

Kreuzung Potsdam Hauptbahnhof

die Mobilität der Zukunft

Wie sieht der Stadtverkehr und der Transport von Menschen in der Stadt der Zukunft aus?

Seit der Jahrtausendwende leben mehr als 50% der Weltbevölkerung in Städten. Laut UN soll sich dieser Trend bis 2030 vervielfachen und immer mehr Menschen aus den ländlichen Regionen in die großen Metropolen abwandern. Auch in Deutschland. Bevölkerungsprognosen des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln sagen voraus, dass allein deutsche Städte in den nächsten Jahren teilweise erheblich an Einwohnern gewinnen werden. In Frankfurt soll die Einwohnerzahl bis 2035 um knapp 80.000 wachsen, in München um mehr als 200.000. Berlin soll gar auf über 4.000.000 Anwohner ansteigen. Ein plus aus der heutigen Sicht um knapp 500.000 Menschen. Und das bei einer schon jetzt hohen Einwohnerzahl von 3.809 Einwohnern pro km². Verglichen mit anderen Weltmetropolen wie Tokio-Yokohama (38 Mio. Ew. bei 15.221 Ew./km² ohne Metropolregion), Mumbai (21 Mio. bei 20.680 Ew./m²) oder New York City (20,6 Mio. bei 10.815 Ew./m²) sind das zwar eher geringe Werte, aber auch in “kleineren” Metropolen macht sich die hohe Einwohnerzahl beim Verkehrsaufkommen deutlich bemerkbar. Es wird also immer mehr Menschen geben, welche in Städten wohnen werden und welche sich dementsprechend auch innerhalb der Städte (fort-)bewegen möchten. Um auf dieses absehbare Zukunftsszenario angemessen reagieren zu können haben wir uns nun eine Menge Gedanken gemacht. Nach den wochenlangen Recherchen, den Befragungen von Personen, den daraus entwickelten Personas, den gemeinschaftlichen Brainstorms und den zahlreichen, angewandten Kreativitätstechniken sind wir zu dem Ergebnis gekommen, dass es aus unserer Sicht drei Lösungsansätze gibt, mit denen man der Herausforderung „Mobilität in der Stadt der Zukunft“ auf kurze bis lange Sicht beikommen kann. Das aktuelle System wird dabei auf unterschiedliche Art und Weise verändert bzw. verbessert.

1. Lösungsansatz

Das aktuelle System wird nicht wirklich verändert, lediglich effizienter gestaltet.

Bei diesem Lösungsansatz belassen wir das aktuelle Straßennetz, das Straßenverkehrsleitsystem und die bestehenden Fahrzeuge so wie sie sind. Dabei überlegen wir aber, was wir am Status Quo optimieren könnten, damit man schneller, komfortabler und einfach besser an sein gewünschtes Ziel gelangt, ohne dabei eine tiefgreifende Veränderung am System vornehmen zu müssen. Die Vorstellungen und Ideen dieses Lösungsansatzes wären größtenteils sofort realisierbar.

2. Lösungsansatz

Das aktuelle System wird teilweise bis weitreichend verändert.

Bei diesem Lösungsansatz verändern wir teilweise das aktuelle Straßennetz, das Straßenverkehrsleitsystem und/oder die bestehenden Fahrzeuge. Dabei überlegen wir, was könnten wir - durch kleinere und mittelschwere Veränderungen - am aktuellen System verändern damit man auch in Zukunft schneller und komfortabler von A nach B kommt. Die Vorstellungen und Ideen dieses Lösungsansatzes wären in 3 bis 5 Jahren realisierbar.

3. Lösungsansatz

Das aktuelle System wird grundlegend und allumfassend geändert.

Bei diesem Lösungsansatz verändern wir das aktuelle Straßennetz, das Straßenverkehrsleitsystem und/oder die bestehenden Fahrzeuge grundlegend. Dabei überlegen wir, wie wir das aktuelle System durch tiefgreifende und radikale Veränderungen, welche teilweise mit einem hohen Arbeitsaufwand und Kostenfaktor einhergehen würden, so optimieren können damit es den Anforderungen einer zukünftigen digitalisierten Stadt/Welt gerecht wird. Schneller, komfortabler, sicherer und einfach besser machen als bisher lautet hier die Devise, ohne dass wir Rücksicht auf den aktuellen Status Quo nehmen. Alles wird an die Anforderungen der Zukunft angepasst, soweit wir diese im Moment abschätzen können. Die Vorstellungen und Ideen dieses Lösungsansatzes wären in 10 bis 25 Jahren realisierbar.